8. Das Jerusalem-Rätsel

Das weltweit einzige Jerusalem-Rätsel

 

Neun Fragen werden hier zum Neuen Jerusalem gestellt. Wer einige oder sogar alle beantworten kann, der darf sich mit vollem Recht als Meisterkenner bezeichnen. Die Fragen sind schwer, denn man soll ja etwas zum Nachdenken und Grübeln haben, aber nicht unfair. Wer es einfach nicht mehr aushält, der kann bei mir nach den Lösungen fragen.

1. Wir beginnen mit etwas Einfachem: viele fragen sich: wann und wo ist denn das Himmlische Jerusalem zum ersten Mal dargestellt worden? Nun, mit größter Wahrscheinlichkeit war das im heutigen Palästina, in Syrien oder in Rom. Die früheste Darstellung, die die Jahrhunderte, Jahrtausende, überdauert hat, ist aus Metall und stammt aus der römischen Kaiserzeit. Wir sehen ein Tor, dass als die früheste erhaltene Darstellung des Neuen Jerusalem gilt. Ein italienischer Bauer hat das Kunstwerk 1888 in seinem Acker gefunden, den antiken Gegenstand erst als Blumenvase genutzt und ihn dann schließlich zum Schnäppchenpreis nach Frankreich verkauft. Um was handelt es sich?

5. Jh., Kapsel 2, © Sangalli Fabio

 

 

2. Ja, auch Tiere kommen in das Neue Jerusalem! Georg Lemberger war ein berühmter Künstler, der in Deutschland viele Bibeln mit seinen Holzschnitten ausschmückte. Immer wieder wurden seine Arbeiten kopiert. Ein späte Kopie wurde als Vulgataausgabe bei den Verlegern Guillard & Desbois in Paris herausgebracht. Der Illustrator erlaubte sich einen kleinen Scherz und setzte einen Gecko, Salamander oder Eidechse an die rechte Seite des Bildes. In welchem Jahr wurde diese „Apokalypse mit dem Gecko“ gedruckt?

1552 Bibel, © Johannes a Lasco Bibliothek Emden

 

3. Diese Apokalypse birgt ein düsteres Geheimnis, das selbst Dan Brown erblassen ließe: Alle, die an ihrer Entstehung beteiligt waren, sind auf mysteriöse Weise zu Tode gekommen. Ein Kapuzinermönch hatte für über viele Jahre den griechischen Urtext neu übersetzt. Dem biblischen Text wurden dann noch Abschnitte des Werkes „Christliche Prophetie und Nuklearenergie“ eines Physikers beigegeben. 1974 verstarb unerwartet der Mönch – sein Werk blieb unvollendet. Dann setzte ein Ordensbruder die Arbeit fort, der jedoch ebenfalls verstarb, sobald er sich mit dieser Apokalypse beschäftigt hatte. Jetzt wurde ein Ordensmann aus Rom damit beauftragt, M. Prader, der, merkwürdig genug, bei Abschluss dieser Arbeit einen tödlichen Herzinfarkt erlitt. Man wollte aber nicht aufgeben, sondern die Apokalypse auch noch bebildern. Dazu wurde ein Schweizer Maler beauftragt. In seinem Tagebuch hielt er fest: „Ich leide sehr unter diesen Beschreibungen, die in mir so schreckliche Bilder entstehen lassen“. Er verstarb in dem Moment an einem Herzinfarkt, als er das Gemälde des Neuen Jerusalems vollendete. Das Apokalypse-Buch war jedoch fertig, wurde ein Welterfolg und in mehrere Sprachen übersetzt. Wie lautet der Name des Künstlers?

1976, Moderne Bibelillustration, © Claus Bernet

 

 

4. Im Himmlischen Jerusalem gibt es keinen Hunger und Durst, man wird dort leben wie im Schlaraffenland. Manche möchten davon schon heute etwas schmecken. 2011 wurde diese Jerusalems-Torte gebacken. Kandierte Früchte sind das Edelsteinfundament, Biskuits sind die zwölf Tore und Buttercreme ist das Gold der himmlischen Stadt. Nach E-Mail-Auskunft soll die Torte „himmlisch“ geschmeckt haben. Diese Torte konnte nur in einem Land entstehen, das geradezu verrückt nach dem Himmlischen Jerusalem ist. Nirgendwo entstanden in den letzten Jahren mehr Arbeiten zu diesem Thema, und viele glauben fest daran, dass Gott bald auf ihrem Land das Neue Jerusalem errichten wird. Um welches Land handelt es sich?

2011 um, New Jerusalem Cake, wurde aufgegessen, R General Church of the New Jerusalem, © Bryn Athyn

 

 

 

5. Das Neue Jerusalem ist ein Ort des Friedens, doch manchmal gibt es um ihn auch Streit: Marie-Theres Werner gestaltete gemeinsam mit einer weiteren Künstlerin 1996 ein Glasfenster für eine katholische Kirche. Gefertigt hat es die Firma H. Derix in Kevelaer. In dem Rundfenster sind zahlreiche Bauten der Himmelsstadt zu sehen, unter anderem eindeutig Minarette und der Halbmond einer Moschee. Die Kirchenoberen waren entsetzt! Das Fenster hat insbesondere mit dem Bistum Streitigkeiten ausgelöst, wobei vorgeschoben wurde, dass das Thema „Himmlisches Jerusalem“ angeblich zu häufig dargestellt worden sei und daher das Fenster wieder ausgebaut werden sollte. Die Gemeinde hat ihr Jerusalemsfenster erfolgreich verteidigt und kann heute stolz darauf sein. Um welche Kirche handelt es sich?

1996, Lowick St. Bernhard, © Hubert Deckers

 

 

6. Ja, es gibt ihn, den Jerusalemshumor. Das beweist eine Karikatur aus einer bekannten Berliner Zeitschrift von 1878. Der Künstler war Gustav Heil. Der Papst ist verstorben und steht nun vor den Toren des Neuen Jerusalem. Ihm Gegenüber steht sein Kollege Petrus, der ja gewissermaßen der erste Papst überhaupt war. Die beiden kommen ins Plaudern: „Wer bist Du?“ fragt Petrus. Der Papst antwortet: „Ich bin der Unfehlbare.“ Darauf erwidert Petrus: „Du irrst. Es gibt nur einen Unfehlbaren, und der ist schon seit Ewigkeiten hier. Doch Irren ist ja menschlich – tritt ein!“

In welcher bekannten Zeitschrift findet man diese Karikatur?

1878, 8.2., Berliner Wespen, An der Himmelspforte, Gustav Heil, © Wikimedia Bunny2

 

 

 

7. Zur Abwechslung eine Frage ohne Bild.  Es gibt Künstler und Künsterinnen, die sich immer wieder mit diesem Thema „Neues Jerusalem“ auseinander gesetzt haben, und manche machten sich das Himmlische Jerusalem zur Lebensaufgabe. Wer also hat im Laufe seines Lebens die meisten Meisterwerke angefertigt? Um es etwas einfacher zu machen, gebe ich drei bekannte Namen vor:

-Hildegard Bienen?

-Albrecht Dürer?

-Robert Temple Ayres?

 

8. 1942 wurde in einer Zeitschrift der Aufsatz „Is Heaven real?“ veröffentlicht und selbstverständlich bejaht. Ein Illustrator hat hier ein weltbekanntes Schloss als Neues Jerusalem benutzt – um welches Schloss handelt es sich? Nein, es ist nicht Neuschwanstein…

1942, Galloway Castle, Signs of the Times, Vol. 69, No. 27, S. 4, © Claus Bernet

 

 

9. 1945 hatte Deutschland seine Apokalypse erlebt, doch das Neue Jerusalem blieb aus. Die Städte waren unvorstellbar zerstört, vor allem die Glasfenster vieler tausender Kirchen gingen zu Bruch. Das ist der Hauptgrund, weshalb man in deutschen Kirchen selten Glasfenster aus alten Zeiten findet. Nach 1945 wurden im Zuge des Wiederaufbaus zahlreiche Glasfenster hergestellt. Bis in die 1960er Jahre gab es in katholischen wie evangelischen Kirchen nur ein Thema: das Neue Jerusalem. Den Anfang machte damals Franz Melchior – für welche Kirche hat er das erste Nachkriegs-Jerusalem gestaltet?

1946 um, Nettersheim-Pesch, Kath. Kirche St. Cäcilia, © Karl-Josef Schmitz

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